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Freitag, 22. Januar 2010 - Podiumsdiskussion der JU Stockheim-Neukenroth: Unterschiedliche Vorstellungen zur Vision "Schwarzes Gold"


Stockheim. Seit fast 42 Jahren ertönte letztmals das „Glückauf“ in der Stockheimer Steinkohlenzeche „St. Katharina“. Damit endeten 1968 nach einer 400-jährigen Ära die umfangreichen Grabungsaktivitäten zwischen Reitsch, Stockheim und dem thüringischen Neuhaus in einer Tiefe von bis zu 300 Metern. Tausende von Knappen haben in dieser Zeit nach dem „Schwarzen Gold“ gegraben. Immerhin lag die Förderleistung unter schwierigsten Bedingungen bei rund 120 Millionen Zentner.

Die wirtschaftliche Bedeutung für den Frankenwald war also immens, denn schließlich kamen durch die Kohle die Eisenbahn und auch die Glasproduktion in das Haßlachtal. Nach 1968 gab es immer wieder Versuche, diese bedeutungsvolle Industriegeschichte mit einem geradezu faszinierenden sozialen Hintergrund museal zu erfassen. Seit gut drei Jahren befasst sich der Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim-Neuhaus/Schierschnitz erneut mit einem musealen Konzept. Allerdings ist die Vision „Schwarzes Gold“, verbunden mit einer Forcierung des Fremdenverkehrs, trotz intensiver Aufklärungsbemühungen nach wie vor umstritten beziehungsweise gibt es keine Klarheit über die Vorgehensweise des Fördervereins.

Deshalb hatte die Junge Union Stockheim-Neukenroth unter der Leitung von Vorsitzendem Christian Fleischmann in das katholische Pfarrheim Stockheim die Bürgerschaft zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, die mit fast 70 Teilnehmern sehr gut besucht war. Rede und Antwort standen vom Förderverein Bergbaugeschichte die beiden Vorstände Gregor Förtsch und Günther Scheler sowie Bürgermeister Albert Rubel. Immerhin verfolgten zwölf Ratsmitglieder die dreistündige, kontrovers geführte Diskussion. Souverän moderierte Christian Fleischmann die unterschiedlich geführte Diskussionsrunde.

In einer fünfzehnminütigen Präsentation stellte Gregor Förtsch die fünf Säulen eines möglichen Erfolgskonzeptes unter dem Titel „Chance für Stockheim – Schema zur touristischen Weiterentwicklung und gemeinnützige Aufwertung des Geländes der Katharinazeche“ vor. Enthalten sind darin „Besucherbergwerk“, „Bergbaumuseum“, „Erlebnisgastronomie“, „Spiel-, Sport-Erholungsanlage“ sowie „Kultur- und Festplatz“. Die Gesamtkosten bezifferte er auf drei Millionen Euro, wobei mit einer Förderung von bis zu 80 Prozent zu rechnen sei. Den Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Förtsch insbesondere in der touristischen Weiterentwicklung. Vor allem müsse man etwas gegen den alarmierenden demografischen Wandel tun, ist sich der Vorsitzende sicher. Ein herkömmliches Heimatmuseum – wie dies im Landkreis Kronach üblicherweise der Fall sei - bringe seiner Meinung nach relativ wenig.

Bürgermeister Albert Rubel sieht diese Vorstellungen weniger optimistisch, denn seiner Meinung nach könne man bestenfalls mit 70 Prozent Zuschüssen rechnen. Entscheidend seien bei einer größeren Lösung auf Grund des hauptamtlichen Personaleinsatzes die Folgekosten in Höhe von mindestens 150.000 Euro, die man im Haushalt kaum unterbringen könne. Rubel untermauerte seine Skepsis mit knallharten Fakten. So habe die österreichische Partnergemeinde Mühlbach am Hochkönig bei 130.000 Übernachtungen pro Jahr nur rund 2400 Besucher in ihrem Bergwerksmuseum. Ähnlich ergehe es den Museen in Unterrodach (Flößerei), Ludwigsstadt (Schieferbergbau) und Kleintettau (Flakonglasherstellung). Als realistische Möglichkeit sieht Rubel den Dachbodenausbau des Bauhofes mit rund 275 Quadratmetern auf dem Gelände der Katharinazeche. Die anfallenden Kosten lägen bei dieser Möglichkeit bei rund 400.000 Euro. Insbesondere stünde  bei dieser Lösung die ehrenamtliche Betreuung im Vordergrund, wie dies auch vorbildlich in Unterrodach und Steinwiesen (Mühlenmuseum) praktiziert werde.

Leider habe sich, so Rubel, die zunächst angedachte kleine Lösung mit der Rentei aus dem Jahre 1847 – besser bekannt als Herrenhaus – auf Grund der enorm hohen Sanierungskosten von bis zu zwei Millionen Euro mit Hilfe des Städtebauförderprogramms vorerst zerschlagen. Nicht zuletzt sei durch die alarmierende Finanzkrise – hervorgerufen durch ein desolates Bankenmanagement – die staatliche Hilfe sehr zögerlich.

An der teils emotional geführten Diskussionsrunde nahmen unter anderem Daniel Wachter, Sandra Brauer, Hedwig Klinger, Gerrit Fehn, Rainer Ebert, Jürgen Wöhner, Gudrun Hergenröther, Jens Weißbach, Reinhold Müller, Kathrin Alte, Sylvia Wagner, Günther Scheler und Diplomgeologe Dr. Harald Tragelehn teil. Größtenteils waren die Diskutanten der Meinung, dass Stockheim nicht mit Zuschauermassen rechnen könne. Gregor Förtsch stellte jedoch klar, dass man nicht unbedingt auf eine größere Lösung beharren wolle. Schließlich sei man flexibel. Mittlerweile sei ein wichtiger Baustein in der musealen-touristischen Fortentwicklung der im September 2009 eingeweihte Bergbau-Erlebnispfad Dachsbau, der bisher eine große Resonanz gefunden habe. –gf-

Sehr gut besucht war die Podiumsdiskussion der Jungen Union Stockheim-Neukenroth im katholischen Pfarrheim in Stockheim. Bei dem Thema ging es um die Vision „Schwarzes Gold – Zukunftsperspektive oder Millionengrab?“.  Von links Bürgermeister Albert Rubel, JU-Vorsitzender und Moderator Christian Fleischmann, Gregor Förtsch und Günther Scheler vom Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim-Neuhaus/Schierschnitz.

Foto: Gerd Fleischmann

 


     
 

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